Anfangs Oktober überraschten mich meine beiden Kollegen, ein Trojan 200, Modell 603, Jg. 62 und eine Isetta 300 Export, Jg. 60 mit der Einladung, sie nächste Woche auf einem Passfährtli zu begleiten. Ich, ein Heinkel 150, Jg. 56 und somit gerade frisch im wohlverdienten Pensionsalter, wollte mir natürlich vor den jungen Schnösels keine Blösse geben und nahm die Herausforderung an.

Am Dienstagnachmittag (5. Oktober) machte ich mich bei leichtem Regen auf zum Heim der beiden in den Flumserbergen, wo der eigentliche Start für Mittwochmorgen vorgesehen war. Die Wetterprognose für die kommenden Tage war gut, und mir kam ein leichtes Aufwärmtraining über den Kerenzerberg gerade recht, wollte ich mich doch für Mittwoch in guter Form präsentieren.

 

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Freudiges Wiedersehen dann in den Flumserbergen, wo mir die beiden sogleich ein trockenes Plätzchen in ihrem Reich anboten, was ich dankend annahm. So konnte ich am Mittwoch die Reise ebenfalls mit trockenen Reifen starten.

Los ging es via Chur und Disentis in Richtung Lukmanier. Kaum hatten wir die ersten Höhenmeter hinter uns, da begann die Isetta zu zicken und wollte nicht mehr anspringen. Schnell war klar, dass es sich um ein Elektrizitätsproblem handelte. Das fängt ja gut an! Also zurück nach Disentis. Der äusserst zuvorkommende Landmaschinenmechaniker verpasste der Isetta eine Schnellladung, und da der Regler scheinbar nicht mehr regelte, entschloss man sich zum Erwerb eines Ladegeräts, um unterwegs jeweils die Batterie wieder laden zu können, was eine Fortsetzung der Reise möglich machen sollte.

 

Im zweiten Anlauf schafften wir den Lukmanier dann problemlos, genossen kurz die eher steife Brise auf der Passhöhe, überquerten die Sprachgrenze, und in Aquarossa bezogen Menschen und Maschinen ihr Quartier. Schon bald ging es zu Bett, denn am folgenden Tag wartete die Tremola.

 

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So wagten wir uns am Morgen respektvoll an diese unglaublich beeindruckende Kopfsteinpflasterstrasse und erreichten nach vielen Fotohalten unerwartet problemlos die Passhöhe.

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Unsere Fahrer wärmten sich im Restaurant auf, wir hingegen standen stolz und einsam in der Kälte.

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Nach unten ging es dann flott, und so wollten wir den Schwung mitnehmen und gerade noch zur Furkaüberquerung ansetzen. Da hatten wir die Rechnung aber ohne die Strassenwärter gemacht. Diese hatten die Passstrasse bereits gesperrt, sodass wir uns vom Zug durch den Berg chauffieren lassen durften. Den unerwarteten Luxus nahmen wir nach kurzem Motoraufheulen halt in Kauf und machten uns nach dem Wiedererblicken des Tageslichts auf die Suche nach einem Schlafplatz, welchen wir in Obergesteln auch fanden.

 

Zu unserem nächsten Ziel wurde somit der Grimsel, den wir am nächsten Morgen nach einer bitterkalten Nacht bei Traumherbstwetter unter die Räder nahmen.

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Allerdings mussten uns die Fahrer zuerst das Eis von den Scheiben kratzen. Dann aber hielt uns nichts mehr im Tal und wir meisterten auch diese Hürde bravurös.

   
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Nach unserem Passhöhenhalt schwebten wir durch die Nebeldecke wieder zu Tal und standen vor der nächsten Entscheidung: Brünig oder Susten? 

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Eigentlich keine Frage - wenn schon, denn schon! Nichts wie raus aus dem Nebel. Auch dieses Vorhaben gelang problemlos, und schon bald spiegelte sich auf dem Weg zur Sustenpasshöhe wieder die Sonne in unserem Lack. 

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Bei traumhaftem Wetter gönnten wir uns auf der Talfahrt Richtung Wassen nochmals einen Halt, während sich die Fahrer einen letzten Drink an der Sonne genehmigten.

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Nun aber spürte ich plötzlich die Anstrengungen der letzten Tage. Der Saft in den Bremsen war weg, und ich erreichte nur mit Hilfe der Handbremse Wassen. Während sich mein Fahrer um Bremsflüssigkeitnachschub kümmerte, zeichnete sich ab, dass sich unsere Wege hier trennen würden. Mich zog es mit aufgefüllter Bremsflüssigkeit über den Sattel zurück an den schönsten Ort am Zürisee, während meine Begleiter noch nicht genug hatten, eine weitere Nacht einlegten und am nächsten Tag erfolgreich auch noch den Klausen schafften, bevor sie sich auf den Heimweg machten.

 

Zufrieden stehen wir drei nun wieder in unseren trockenen Garagen. Mit Freude denken wir zurück an unsere Erlebnisse auf steilen, kurvenreichen Strassen in sonnigen Höhen. Uns platzen vor Stolz fast die Reifen und wir möchten diese Tage nicht missen.

Heinkel 150 (© by Charly)